Nach sehr langer Testphase und Vorlaufzeit wurde mit dem neuen iOS 14.5 für alle Apple Produkte ein neues Zeitalter im Tracking eingeläutet. IOS-Nutzer können nun selbst bestimmen, welche Apps im Hintergrund Tracking-Daten erheben dürfen. Die Erhebung von personenbezogenen Daten ist somit für Apps zukünftig sehr schwierig. Auf Webseiten in Europa ist es schon länger Pflicht (Planet49-Urteil), sich für personenbezogenes Tracking eine Einwilligung einzuholen. Apple beschneidet nun mit seinem neuen Update den App-Markt.

Der Analysedienstleister Flurry veröffentlicht aktuell immer mehr Zahlen, welche einen ganz klaren Trend erkennen lassen. Ein riesiger Teil der Nutzer (über 90 Prozent) lehnt Tracking für Werbezwecke ab. Hinter diese Anti-Tracking-Offensive steckt eine neue Technologie von Apple mit dem Namen „App Tracking Transparency“.

APP TRACKING TRANSPARENCY (ATT)

„App-Tracking-Transparenz (kurz ATT) ist eine neue Funktion von iOS, iPadOS und tvOS 14.5, die von den Apps verlangt, dass sie um Erlaubnis fragen, wenn sie Ihre Aktivitäten über die Apps und Websites anderer Unternehmen verfolgen möchten. Ihre iPhones und iPads verfügen über eine eindeutige Nummer, die als „Werbe-ID“ bezeichnet wird und zur eindeutigen Identifizierung Ihres Geräts bei Werbung verwendet wird. Durch die Verknüpfung dieser Kennung mit anderen Informationen waren App-Entwickler in der Lage, unglaublich detaillierte Aufzeichnungen darüber zu erstellen, wie Sie Ihr iPhone oder iPad verwenden, auch in anderen Apps und im Internet. (Macwelt)“

ATT sorgte vor allem bei den bekannten Platzhirschen im Trackingbereich für Unmut. Facebook und Google liefern sich seit Bekanntwerden von Apples Plänen eine regelrechte Schlammschlacht. Auch Behauptungen Apple verfolge eigene Geschäftszwecke werden immer wieder in den Ringe geworfen. Spitzenverbände der Medien-, Internet- und Werbewirtschaft haben beim Bundeskartellamt in Bonn sogar schon Beschwerde gegen Apple eingereicht. Argumentation der Verbände ist der Missbrauch der Marktmacht und somit ein Verstoß gegen das Kartellrecht.

GROßTEIL DER NUTZER VERWEIGERT ZUSTIMMUNG

Vor allem die mobilen Nutzer (iPhone, iPad etc.) verweigern im großen Stil das Werbetracking, sobald das Pop-Up bei Apps erscheint. Eine Katastrophe für den Werbemarkt und für App-Entwickler, ein großer Erfolg für den einzelnen Nutzer, der wieder mehr Herr seiner personenbezogenen Daten wird oder zumindest wieder mehr bestimmen kann wer welche Daten erhält. In den USA gibt es sogar validierte Zahlen, dass nur 4 Prozent der Nutzer das App-Tracking erlaubten. Gegenstand dieser Auswertung waren ca. 2,5 Millionen Smartphonenutzer*innen. Laut Flurry ist die weltweite Zustimmungsrate dreimal höher als in den USA und liegt somit bei 12 Prozent.

Datenschützer jubeln, App-Entwickler fluchen. Wenn sich schon nicht viele Entwickler und Unternehmen an Privacy by Design (Datenschutz durch Technikgestaltung) halten, so muss es wohl erst einen US-Big-Player geben, der an diesen Grundsatz erinnert und zumindest den Betroffenen die Möglichkeit für Privacy by Default (Datenschutz durch datenschutzfreundliche Voreinstellungen) ermöglicht. Es ist jedoch fraglich welche Strategie Apple hier genau im Sinn hat und inwieweit eigene Interessen hier zukünftig eine Rolle spielen werden.