Das Schlüsselaustauschprotokoll Diffie-Hellmann, das zur Verschlüsselung unzähliger Web-, Mail-, SSH- und VPN-Server im Einsatz ist, kann durch die Logjam Attacke ausgehebelt werden. Dies fanden Sicherheitsforscher rund um John-Hopkins Professor Matthew Green heraus. Die vermeintlich sicher verschlüsselten Daten sind demnach nicht mehr sicher.

WAS IST DIFFIE-HELLMAN?

Beim sogenannten Diffie-Hellman-Schlüsselaustausch senden die beiden beteiligten Kommunikationspartner über einen unsicheren Kanal sich gegenseitig jeweils eine Nachricht zu. Das Phänomen, aus diesen beiden Nachrichten einen geheimen Schlüssel zu generieren, bezeichnet man als Diffie-Hellman-Problem. Dieses ist für die Gesprächspartner schnell zu berechnen, aber für einen ‚Man-in-the-Middle‘, der mithört, quasi nicht lösbar.

WIE WIRD DIE VERSCHLÜSSELUNG GEKNACKT?

Wie die Forscher in ihrer Arbeit „Imperfect Forward Secrecy: How Diffie-Hellman fails in practice“ zeigen, kann man die eigentlich nicht zu knackende Rechenaufgabe so zerteilen, dass man den Löwenanteil der Berechnung schon vorab bewältigen kann. Durch die, auch heute noch von vielen Systemen unterstützten, ehemaligen Export-Regeln der US-Regierung für Krypto, kann dann ein Angreifer die Sicherheit der Verbindung lockern und sowohl Server als auch Client zwingen, die unsichere 512-Bit-Version von Diffie-Hellman zu benutzen. Somit konnte das Forscherteam im beschriebenen Verfahren sieben Tage lang Vorberechnungen durchführen, sodass der eigentliche Angriff zum knacken der Verbindung nur noch 90 Sekunden benötigte.

QUASI ALLE WEBBROWSER ANGREIFBAR

Über 80.000 der Top-1-Million-Webseiten, die TLS anbieten sind laut der Forschungsarbeit auf diese Weise angreifbar. Ebenso mehr als acht Prozent aller Mailserver, die auf POP3 und IMAP setzen. Aktuell sind die Browser Google Chrome, Mozilla Firefox und Safari angreifbar. Ob der von Ihnen verwendete Browser ebenfalls angreifbar ist, können Sie testen, indem Sie HIER klicken. Wenn Sie ein rotes „Warning“ Banner eingeblendet sehen, ist auch Ihr Browser betroffen. Systemadministratoren können ihre Server ebenfalls überprüfen. Die Forscher bieten dafür einen anderen Service an, den Sie HIER finden.

WAS KANN MAN ALS BETROFFENER TUN?

Wenn Ihr Server betroffen sein sollte, lautet die Empfehlung der Forscher, die Export-Verschlüsselung zu deaktivieren und eine spezifische 2048-Bit-Diffie-Hellman-Gruppe zu erzeugen. Laut dem Test des Forscherteams ist der zuletzt eher unpopuläre Internet Explorer auf diese Weise nicht angreifbar – Microsoft hatte die Lücke in ihrem Browser schon kürzlich geschlossen. Die Entwickler von Chrome, Firefox und Safari sollen aber ebenfalls bereits an Patches arbeiten, die diese Lücke in der IT-Sicherheit wieder schließen sollen.

 

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