Jörg Klingbeil, der Landesbeauftragte für den Datenschutz in Baden-Württemberg, sieht in der Erforschung neuartiger „privacy-enhancing technologies“ – also datenschutzfördernder Technologien – eines der wichtigsten Elemente für den Schutz der Privatsphäre in der Zukunft.

INNOVATIVES FORSCHUNGSPROJEKT

Wie er in einer Pressemitteilung vor wenigen Tagen verlauten ließ, sei hier besonders ein Forschungsprojekt hevorzuheben, an dem aktuell auch einer seiner Mitarbeiter mitwirkt. In dem seit Oktober in Denver durchgeführten Projekt mit dem Titel „UnLinked: private Proximity-based Off-line OSN Interaction“ wurde ein kryptographisches Verfahren vorgestellt, bei dem zwei Nutzer die Schnittmenge gemeinsamer Informationen auf datenschutzgerechte Art und Weise ermitteln können. Darüber hinaus werden keine Daten ausgetauscht, die einer der beiden Nutzer hat, der andere aber nicht.

FUNKTION IN DER PRAXIS

Das dies auch in der Praxis funktioniert wurde in einem Test anhand einer App für Android Phones dargelegt. Hier könnten z. B. zwei alte Schulfreunde ihre gemeinsamen Kontakte sehen, jedoch nicht die darüber hinausgehenden. Dies ermögliche es, dass z. B. zwei völlig Fremde ermitteln können, ob sie gemeinsame Bekannte in sozialen Netzwerken haben, ohne sonst weitere Informationen über sich preiszugeben. Selbst das Netzwerk würde darüber hinaus nichts über das Treffen der beiden Nutzer erfahren.

DATENSCHUTZFREUNDLICHE FEATURES

Somit konnte das Forscherteam aufzeigen, dass sich auf den ersten Blick mit dem Datenschutz unvereinbare Funktionen dann doch datenschutzfreundlich umsetzen lassen. Das Verfahren lässt sich im Grunde genommen für nahezu jedes Szenario einsetzen, bei dem zwei Nutzer einen datenschutzgerechten Informationsabgleich durchführen möchten. Anwendung kann dies beispielsweise bei Fluglinien finden, die auch jetzt schon ihren Fluggästen erlauben, im Vorfeld auf sozialen Netzwerken die Profile der Mitreisenden desselben Flugs einzusehen und sich somit den sympathischsten Sitznachbarn auszusuchen. Aktuell spielt hierbei der Datenschutz aber noch keine Rolle.

WEGWEISEND FÜR DIE ZUKUNFT

Klingbeil lobt die Anstrengungen zu Privacy by Design: „Damit dem Datenschutz in der Entwicklung von Produkten und Diensten ein größeres Gewicht zukommt, ist bei zukünftigen Forschungsarbeiten zu Privacy by Design der konkrete Praxisbezug und die Machbarkeit verstärkt nachzuweisen. Unter diesen Voraussetzungen hat der Datenschutz gute Aussichten, Eingang in viele Bereiche unseres Alltags zu finden.“