Tinder ist heutzutage die wohl beliebteste Dating-App. Wie e-recht24 berichten, hat die französische Journalistin Judith Duportail, die ebenfalls seit Jahren Tinder nutzt, ihr Recht auf Auskunft genutzt um doch mal zu sehen, welche Daten Tinder über sie gespeichert hat. Das Ergebnis: erschreckend!

GRUNDLEGENDE INFOS FÜR PARTNERWAHL?

Nach Angaben Tinders werden sämtliche Angaben in erster Linie dazu verwendet, den Teilnehmern die passende Auswahl an Partnern vorzuschlagen. Hauptkriterien wie Alter, Haarfarbe, Bildungsstand und Interessen dienen dabei nur zur Vorauswahl. En Detail berücksichtigt das Programm aber auch wie lange ein Foto angesehen wird oder welche Wörter besonders häufig in Gesprächen auftauchen. Wie genau einzelne Faktoren bei der Zuteilung von „Partner-Matches“ berücksichtigt werden, hält Tinder geheim. Dass die Daten auch an Werbetreibende weitergegeben werden können, ist dagegen Teil der AGB.

ERSCHRECKENDES AUSKUNFTSERGEBNIS

Das Auskunftsersuchen zeigte: 920 Mal hat die Tinder-Nutzerin die Kennenlern-App in den vergangenen vier Jahren geöffnet. Um 21.24 Uhr des 18. Dezember 2013 schrieb sie ihr erstes „Hallo!“ an ihr erstes Tinder-Match. 870 Menschen wurden ihr als passende Partner präsentiert. Während sie sich nur an vereinzelte erinnern konte – wie diejenigen die zu Partnern oder Freunden wurden – kennt Tinder noch jeden einzelnen. Die Antwort auf ihr Auskunftsersuchen umfing knapp 800 Seiten! Von ihren 1700 versendeten Nachrichten ist bis heute jede einzelne Wort für Wort abgespeichert auf den Servern des US-amerikanischen Betreibers, zusammen mit Ort, Zeitpunkt und Dauer der Chats. Und nicht nur das: Sämtlichen Fotos, die sie jemals auf Facebook und ihrem längst gelöschten Instagram-Account hochgeladen hatte, waren enthalten. Außerdem Angaben zu persönlichen Interessen, Musikgeschmack, Lieblingsgerichten, Ausbildung, Arbeitsplätzen und Wohnorten.
In gleicher weise „betroffen“ sind auch rund zwei Millionen Tinder-Nutzer in Deutschland.

EIN OFFENES TAGEBUCH

„Indem ich die 1,700 Tinder Nachrichten seit 2013 noch einmal las, durchlebte ich eine Reise durch meine Hoffnungen, Ängste, sexuellen Vorlieben und dunkelsten Geheimnisse. Tinder kennt mich in- und auswendig. Es kennt meine echtes, wenig gloreiches Ich, dass den selben Witz via copy-paste an Match 567, 568, und 569 geschickt hat“, so Duportail.
Wer Tinder nutzt muss sich bewusst sein, dass nicht nur seine Chatpartner mitlesen. Die vermeintlich privaten Fotos können – und werden im Zweifelsfall – ebenso von den Tinder Mitarbeitern gesehen.
Wer Tinder nutzt und gerne wissen möchte, was denn über ihn bzw. sie gespeichert ist, kann natürlich ebenfalls jederzeit ein Auskunftsersuchen nach § 34 BDSG an das Unternehmen stellen.