Dass die sprachgesteuerten „Multimediahelferlein“ wie Amazons Alexa oder Google „Home“ aus Datenschutzsicht durchaus hinterfragt werden sollten ist bisher wohl erst bei einem kleinen Kreis durchgesickert. Immerhin kann Alexa ja nur lauschen aber nichts sehen….oder? Das wird sich jetzt ändern, wenn Echo Look erhältlich sein wird.

ECHO LOOK – ALARM FÜR DEN KLEIDERSCHRANK

Amazon bringt in den USA erstmal die Kamera Echo Look auf den Markt und will seine Nutzer so auch in Modefragen beraten können. Die Erweiterung der bisherigen Echo-Serie, deren Geräte mit der Sprachsteuerung Alexa funktionieren, bekommt nun „Augen““ und kann neben den bisher bekannten Funktionen nun auch Fotos und Videos aufnehmen. Über eine App soll es so möglich sein, herauszufinden, ob das gewählte Outfit zum eigenen Typ passt. Wie die Fotos, die in der Cloud gespeichert sind, weiter genutzt werden und was man alles aus diesen herausgelesen könnte sorgt jetzt schon für Unmut im Netz.

ALEXA, WAS ZIEHE ICH HEUTE AN?

Alexa, die digitale Assistentin von Amazon, war bisher in Form der vernetzten Echo-Lautsprecher-Serie bekannt geworden. Dabei handelt es sich um sprachgesteuerte Computer die, mit dem W-lan verbunden, Sprachbefehle erkennen. So ist es möglich, Alexa Fragen zu stellen und beispielsweise einfach noch ein paar Dinge auf die eigene Einkaufsliste zu setzten oder das Lieblingslied aus der Amazon Playlist zu starten. Der neu vorgestellte „Echo Look“ ist mit einer Kamera ausgestattet, wird hochkant aufgestellt und erlaubt so Ganzkörperfotos oder Videos zu machen. Alexa soll dadurch auch als persönlicher Style-Berater dienen: Die per Sprachbefehl aufgenommen Fotos können in der Style-Check-App auch in einer 360-Grad-Ansicht angesehen werden. Die App, basierend auf künstlicher Intelligenz und zusätzlichem Input eines Style-Expertenteams, kann dann Ratschläge geben oder hilft bei der Entscheidung, ob das eine oder andere Outfit besser zum eigenen Typ passt. Amazon wirbt damit, dass das System mit der Zeit „lernt“ und somito immer bessere Vorschläge bringt.

ZUVIEL DES GUTEN?

Klingt doch eigentlich ganz nett, könnte man denken. Anstatt sich vor dem Spiegel zu verrenken oder sich von Familie und Freunden eine subjektive Meinung einzuholen, bekommt man ganz bequem Expertenhilfe. Die US-Techniksoziologin Zeynep Tufekci gibt via Twitter aber zu bedenken, dass man gerade über Fotos viel mehr Informationen preisgibt, als man zunächst annimmt. Gerade Ganzkörperaufnahmen ließen Rückschlüsse auf den Gesundheitszustand einer Person zu, ob man gerade schwanger ist, oder wie die derzeitige Stimmung sei. Diese Informationen könnte Amazon dazu nutzen, um zielgerichtet für bestimmte Produkte zu werben und so mehr zu verkaufen, so Tufekci. Zudem könnten die Bilddateien auch zur staatlichen Überwachung von Nutzern verwendet werden. In den USA gab es bereits Kriminalfälle zu deren Aufklärung Daten von Amazons Audiogerät Echo angefordert wurden. Immerhin versichert Amazon auf Anfrage von ZEIT ONLINE: „Amazon gibt keine persönlichen Daten an Werbetreibende oder Drittanbieter weiter, die Produktempfehlungen zeigen“.
Bisher ist die Echo Look nur in den USA und dann auch nur auf Einladung durch Amazon zu bekommen. Ob und wann diese auf dem deutschen Markt erhältlich sein wird ist derzeit noch nicht bekannt. Ob man jedoch einem riesigen datenverarbeitendem Unternehmen Einblick in sein Zuhause ermöglichen möchte, will bis dahin gut überlegt sein.

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