Letzte Woche war vielleicht was los! Am Donnerstag gab’s einen runden Geburtstag in der Familie: Das Grundgesetz ist 70 geworden – und alle so yaaay. Na ja, fast alle, irgendwer meckert ja immer. Ich war total aufgeregt, weil am Samstag ich dran war. Das erste Jahr gilt ja immer als das anstrengendste. Auch Gesetze müssen erstmal in der harten Realität ankommen. Und was meine Anliegen betrifft, war das für mich echt kein Zuckerschlecken. Ich sag nur: Stell dir vor du kommst zur Welt und keiner mag dich! Und das ist noch nicht einmal alles. Es werden auch noch Lügen über dich verbreitet. Du sollst Schuld an Sachen sein, für die du überhaupt nicht verantwortlich bist, zum Beispiel an der Abschaffung von Klingelschildern, geschwärzten Kindergartenfotos, unerfüllten Weihnachtswünschen und womöglich noch an den sieben, äh, ich meine natürlich zehn biblischen Plagen. Zum Glück neige ich nicht zu narzisstischer Gekränktheit! Sonst hätte es Strafen gehagelt. Hat’s aber nicht. Grenzüberschreitend gab’s wegen mir gerade mal 450 Ermittlungen. Lächerlich wenig! Fragt doch mal das StGB! Okay, das ist schon vor 145 Jahren in Kraft getreten – und da liegt der Hund auch begraben. Ich bin zu jung, zu neu, zu unbekannt. Ihr habt einfach noch nicht begriffen, wovor ich euch schütze. Als vor über 150 Jahren in den USA die Sklaverei abgeschafft werden sollte, gab’s erstmal Krieg – und dann den 13. Zusatzartikel zur Verfassung, der die Abschaffung der Sklaverei (ziemlich) klar regelte. Das waren noch Zeiten, in denen sich ein Artikel 13 für Menschenrechte stark gemacht hat… Heute kann sich keiner mehr, der ganz knusper an der Waffel ist, vorstellen, dass Sklaverei wie selbstverständlich zum Alltag gehört und nicht geächtet wird. Ihr Menschen braucht Zeit. In 150 Jahren kann sich vielleicht keiner mehr vorstellen, dass euch Datenschutz mal so egal war, dass viele von euch sich ständig darüber beschwert haben. Blöder Datenschutz, mäh! Na, wenigstens habt ihr deshalb keinen Krieg angefangen. Darüber bin ich echt froh.

ICH BIN KEIN MONSTER!

Deutschland am 25. Mai 2019. Ab heute bin ich kein Gesetzesbaby mehr. Ich habe Geburtstag. Und keiner feiert. Keiner? Nein! Eine kleine Gemeinde von unbeugsamen Datenschützern, hört nicht auf, an die Wichtigkeit von Datenschutz und Informationssicherheit zu glauben. Sie heben ihre Gläser und rufen: „Viel Mut, hau ruck und weiter so – auf die DSGVO!“ Ich bin gerührt. Nicht wenige bezeichnen mich als Bürokratiemonster. Ganz ehrlich? Gibt schönere Kosenamen! Ich bin auch nur das, was ihr aus mir macht. Vor allem bin ich ein sinnvolles Gesetz. Ja, ihr müsst euch jetzt mehr mit dem Thema Datenschutz auseinandersetzen, zum Beispiel, wenn ihr beim Zahnarzt in die Verarbeitung eurer Daten einwilligen sollt oder wenn ihr gefragt werdet, ob es in Ordnung ist, euch einen Newsletter zu schicken. Ständig werdet ihr was gefragt oder müsst selbst nachfragen – und das nervt! Ach, ihr Armen! Ist doch viel einfacher, wenn mit euren Daten was gemacht wird, ohne euch damit zu behelligen, was genau damit passiert. Und als jemand, der Daten verarbeitet, ist es auch einfacher, loszulegen, ohne vorher nachzufragen. Wir Gesetze machen alles schrecklich kompliziert! Plötzlich könnt ihr euren Nachbarn nicht mehr einfach totschlagen, weil er euch die Frau ausgespannt hat. Das Gute ist, wenn ihr eurem Nachbarn versehentlich die Frau ausspannt, darf der euch auch nicht totschlagen. Und bedenkt bitte: Totgeschlagen zu werden tut sehr sehr weh und ihr könnt danach nichts mehr machen. Das war’s dann mit der ganzen Lebensfreude! Tja, und damit das nicht passiert, gibt’s eben uns: die Gesetze. Ihr könnt uns hassen, ihr könnt uns gut finden – uns ist das im Prinzip egal. Wir versuchen, euch zu schützen! Wenn ihr an unserem Geburtstag an uns denkt, freut uns das natürlich. Am 1. Juni wird übrigens die Neufassung der BetrSichV vier Jahre alt! Die schützt euch unter anderem vor explodierenden Tankstellen und vor unsicheren Aufzugsanlagen. Durchaus etwas, das ihr feiern könntet. Ihr zelebriert aber lieber die Jogginghose, obwohl die euch allenfalls vor potenziellen Partnern schützt.
Vergesst nicht, dass wir Gesetze euch nicht nur in eurer Freiheit beschneiden, sondern vor allem für eure Freiheit sorgen. Ich passe zum Beispiel auf, dass niemand ohne eure Einwilligung eure persönlichen Daten sammelt und euch deshalb in Schubladen steckt, in die ihr gar nicht wollt. Und das ist ein wichtiges Stück Freiheit!
In diesem Sinne: Lebet glücklich, frei und froh – eure DSGVO!