© Bildagentur PantherMedia  / damedeeso

Datenpannen stehen heutzutage auf der Tagesordnung. Leak hier, Leak da. Gähn! Wir sind mittlerweile abgestumpft und konzentrieren uns nach aufwallender Empörung schnell wieder auf Katzenvideos, um runterzukommen. Und dann auf den Brexit, um erneut in Wallung zu geraten. Die Datenpanne ist dann schnell vergessen. Alexander Boris de Pfeffel Johnson sieht auch viel ulkiger aus als irgendwelche Symbolbilder, auf denen Computerbildschirme mit Vorhängeschlössern und binären Zahlenkolonnen zu sehen sind. Und zum Thema Brexit gibt’s auch so viele lustige Comics und Witze, dass wirklich jeder versteht, wie bescheuert das Ganze ist. Der Unterhaltungswert von Datenpannen hingegen, ist vergleichsweise gering. Allenfalls delikate Daten, z.B. bei geleakten Pornoseiten, die Betroffenen den Angstschweiß auf die Stirn treiben, sorgen längerfristig für Erheiterung. Das heißt: Im Optimalfall einen halben Tag lang. An den Kragen geht’s sowieso meistens „den Anderen“: den Trotteln, die sich mit Klarnamen und Regierungsmailadresse bei Pornoportalen angemeldet haben zum Beispiel. Oder Jugendlichen, die in grauer Vorzeit bei Chatdiensten mit infantilem Namen nach neuen Freunden gesucht haben. Okay, die einstigen Knuddels-Nutzer dürften mittlerweile gefühlt um die 50 sein… Das Datenleck von vergangenem Jahr wurde erfolgreich gestopft, das Bußgeld ist bezahlt und alles scheint vergessen zu sein. Wir verzeihen einiges, wenn es um den Umgang mit unseren Daten geht. Was soll man auch machen? Etwa auf die Straße gehen, um „denen da oben“ mal den Marsch zu blasen? „Donnerstage für Datenschutz“? Ach nö, donnerstags kommt ja immer „Der Knastarzt“! Da will man nicht auch noch für Grundrechte demonstrieren  müssen. So Lecks, die werden doch sowieso gestopft und dann ist alles wieder gut und gleich vergessen.
Zum Beispiel die Gesundheitsdaten von mehreren Millionen Patientinnen und Patienten, die auf ungeschützten Servern lagen. So ziemlich für jeden zugänglich, der sich mal dreidimensionale MRT-Aufnahmen vom Körperinneren Wildfremder reinziehen wollte. Kein Passwort erforderlich. Für Versicherungen, Banken und Arbeitgeber überaus interessante Informationen waren da quasi offen verfügbar. Huch, wer hätte auch auf die Idee kommen sollen, dass Patientendatensätze besonders geschützt gehören? Das mit der ärztlichen Schweigepflicht ist was anderes. Dem Arzt müssen wir vertrauen können, der Maschine nicht. Oder? Selbst als der Radiologie-Professor Oleg Pianykh 2016 davor warnte, medizinische Geräte wie MRT-Röhren komplett ungesichert mit den PACS-Servern (Picture Archiving and Communication System; dt.: Bildablage- und Kommunikationssystem) kommunizieren zu lassen, wurde das nicht ernstgenommen. Die Enthüllung des Patientendaten betreffenden Lecks, das das amerikanische Recherchebüro ProPublica und der Bayerische Rundfunkgemeinsam recherchiert hatten, schaffte es immerhin in die Tagesschau. Wow, ein echter Champion unter den Leaks – quasi Real Madrid!

HOSE RUNTER, ECUADOR!

Einen weiteren Anwärter auf den Champions-Leak-Titelgewinn, hatte zeitgleich Südamerika zu bieten. 20,8 Millionen Datensätze, die dank einer nicht richtig konfigurierten Datenbank frei im Internet verfügbar waren, musste Ecuador verwinden. Und das, obwohl das Land nur etwa 17 Millionen Einwohner hat. Rechnet man allerdings noch doppelte Datensätze, die Daten von Toten und die von Ausländern wie Julian Assange dazu, geht die Rechnung auf. Selbst der Präsident wurde so zum gläsernen Bürger. Und 6,77 Millionen Kinder. Aber was heißt das schon, wenn in puncto Auskünfte zu Arbeitsplatz und Auto, Familienverhältnisse und Verwandtschaftsbeziehungen, Melde- und Finanzdaten quasi einem ganzen Land die Hosen runtergezogen werden? Das ist doch nix im Vergleich zu dem, was dieser britische Spinner mit der Lausbubenfrisur wieder vom Stapel gelassen hat.