MARK KANN UNTER DEN BEDINGUNGEN VON MAX NICHT ARBEITEN

Es ist ja so: Wer Macht hat, der hat auch das Sagen. Und wenn der auf irgendwas keinen Bock hat, dann gibt es erfahrungsgemäß Stress. Mark hat Macht und gerade Ärger mit Max, weil Max findet, dass das, was Mark macht, zu weit geht. Mark wiederum findet Max zu kontrollierend und droht deshalb, sich aus der Beziehung, die er nicht mit Max, sondern mit 410 Millionen europäischen Nutzerinnen und Nutzern hat, zurückzuziehen. Das fände Max gar nicht mal so schlecht, aber was sagen die 410 Millionen User und die Wirtschaft dazu? Die finden das, was Mark macht, nämlich ziemlich gut, sonst würden sie ja nicht mitmachen… Und was Mark anzubieten hat, generiert auch ganz schön viel Geld. Mehrere Milliarden jährlich. Und Arbeitsplätze: tausende. Jeder, der irgendwas mit „Social Media“ in der Berufsbezeichnung trägt, will auf keinen Fall, dass Mark seine Drohungen wahr macht und sich aus Europa zurückzieht. Nur weil so ein Österreicher mit Fußballerfrisur den dicken Max markiert. Aber was passiert eigentlich, wenn Mark bei seinem Rückzug all unsere Daten mitnehmen würde? Wären wir dann datenlos? Würde es etwas bringen, wenn wir im Rahmen eines flotten Spruchbildes den Bedingungen von Facebook nachdrücklich widersprechen würden? Lassen die US-Geheimdienste dann ihre Finger von unseren Daten? Und stimmt das mit der Drohung überhaupt?
Yvonne Cunnane, Head of Data Protection and Privacy bei Facebook Ireland Limited, schreibt in einem Affidavit vom 10. September, dass sie keinerlei Ahnung habe, “wie unter diesen Bedingungen die Dienste von Facebook und Instagram in der EU fortgesetzt werden können“. Also, hör mal, Yvonne: Wenn du das nicht weißt, hast du vielleicht einfach den falschen Job! In der 22 Seiten umfassenden Erklärung geht es ständig um Max, den Spiel- und Spaßverderber. Was will der? Datenschutz?! Dass persönliche Daten von Europäern nicht in den USA landen, weil dort anders mit ihnen umgegangen wird als in good old Europe? Die 2017 von Max gegründete Nichtregierungsorganisation NOYB (= „none of your business“, zu deutsch: „geht dich nix an“) lässt übrigens verlautbaren, dass der angedrohte Rückzug von Facebook lediglich ein Missverständnis wäre, dramatisches Säbelrasseln eines Konzerns, der sich als Opfer fühle. Cunnane, die Facebook-Data-Protection-Dame, findet es nämlich total blöd, dass nur ihr Unternehmen seit dem gekippten Privacy Shield derart angepflaumt wird. Dabei wäre es durchaus möglich, sauber zu trennen. Persönliche Daten von Europäern könnten DSGVO-konform in Europa gespeichert und verarbeitet werden, ohne gleich alles über die USA abzuwickeln. Facebook will das nur nicht…

KNUDDELN MADE IN GERMANY

Aber was würde denn passieren, wenn es in Europa kein Facebook und Instagram mehr gäbe? Würden wir dann alle irre produktiv und China innerhalb von kürzester Zeit überrunden? Die sind doch auch nur so leistungsstark, weil sie nicht die ganze Zeit in den sozialen Netzwerken abhängen, oder? Würden wir dann alle zu YouTube gehen und weniger produktiv werden, weil Videos gucken und machen noch länger dauert?
Vor allem hätte der Rückzug von Facebook und Instagram wirtschaftliche Folgen. Mit Hilfe von sozialen Netzwerken generieren europäische Unternehmen mehrere Milliarden Euro jährlich. Es gibt Menschen, deren Arbeitsplätze an den sozialen Medien hängen. Eine riesige Marketingblase würde einfach platzen.
Witzig wäre es ja schon, wenn die Wirtschaft plötzlich auf Knuddels aktiv würde. Aber die deutschen sozialen Netzwerke sind nur noch ein Schatten ihrer selbst. Halb oder komplett tot. Vielleicht sollten wir in Europa einfach coolere Software entwickeln und nix mit albernem „Gegruschel“. Die Anstupsfunktion bei Facebook ist auch schon sowas von 2013!
Aber hey, wäre doch was: Ein soziales Netzwerk mit Spaß und Rat und Lebenshilfe made in Germany. Und natürlich mit Werbung (irgendwo muss das Geld ja herkommen) und Datenschutz – und Katzenvideos. Ein Traum! Können wir das? Klar, wir schaffen das! Dann könnte Mark sich ruhig zurückziehen. Das neue Facebook ist eh besch…eiden!